Die Illusion der Willensfreiheit

Gefühle sind immer die treibende Kraft

Die Illusion des Willensfreiheit verhindert den wahren Frieden - im Kleinen und im Großen. Wieso das so ist, und warum sich Menschen dagegen wehren, die Willensfreiheit als Illusion zu erkennen, werde ich darlegen.

Jeder Mensch, jedes Lebewesen strebt danach, so zufrieden und so glücklich wie möglich zu leben, oder doch jedenfalls Schmerz und Leid so weit es geht zu lindern und zu vermeiden. Der Mensch muss danach streben. In diesem Punkt haben wir keine Wahl. Nicht einmal eine Wahl, auf welche Art und Weise wir gute Gefühle erleben oder ungute Gefühle vermeiden wollen, haben wir. Denn selbst die Art und Weise, für die wir uns entscheiden, wird wiederum von den Gefühlen bestimmt. Und da wir unsere Gefühle nicht frei bestimmen können, ist unser Wille nicht frei und ebensowenig unsere Entscheidungen.

Mit dieser Erkenntnis bin ich zum Glück nicht allein auf der Welt. Und die Zahl derer, die es erkannt haben und darüber offen sprechen, wird größer. Denn immer deutlicher wird, dass es keine "philosophische" Frage ist, wie manche Anhänger der Willensfreiheit diese zu verteidigen versuchen. Natürlich machen sie das nicht freiwillig. Da sie aber die Freiheit des Willens verteidigen, können sie zwangsläufig die Ursachen nicht erkennen, die sie darin hindern, sich der Frage offen und ehrlich zu stellen. Sie befinden sich in dem, was allgemein als Teufelskreis bezeichnet ist. Es erzeugt ungute Gefühle, sich mit etwas auseinanderzusetzen, das, wenn es sich als richtig und wahr erweisen  sollte, die eigene Erkenntnis als falsch entlarvt. Einen Fehler gemacht zu haben, erzeugt ungute Gefühle, und das ist gut so. Denn weil der Mensch ungute Gefühle vermeiden will oder besser muss, bemüht er sich, keine Fehler zu machen. Wenn allerdings das dazu führt, sich selbst und die eigenen Ansichten und Erkenntnisse nicht mehr zu prüfen, um nicht mit eigenen Fehlern konfrontiert zu werden, führt das zu Folgefehlern. Es folgen Rechthaberei, endlose Streitereien, Unaufrichtigkeit, Unehrlichkeit, verhärtete Fronten zwischen den Menschen und den sich daraus ergebenden unguten Folgen, Familienstreitigkeiten, Kriege im Kleinen und Großen.

Zu der Erkenntnis der Unfreiheit des Willens kommen wir durch Selbstbeobachtung. Und diese Selbstbeobachtung wird von unserer Logik bestätigt, jedenfalls dann, wenn wir unterstellen, dass auf der Erde das Naturgesetz von Ursache und Wirkung alles durchdringt. Das wird häufig vergessen bei der Frage nach der Willensfreiheit. Die Literatur und geistigen Ergüsse zum Thema sind nicht mehr überschaubar. (Natürlich gehören meine Zeilen auch dazu. Und ich hoffe, dass sie etwas mehr Einfachheit hineinbringen) Die Sache scheint mir doch so einfach - jedenfalls für einen Menschen mit einer durchschnittlichen Beobachtungsgabe und der Fähigkeit zum logischen Denken.

Wenn alles  dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterliegt, dann auch unser Wille, oder besser das, was wir wollen. Was aber verursacht ist, kann nicht gleichzeitig frei sein. Also kann unser Wille (bzw. das, was wir wollen) da er verursacht ist, ebenfalls nicht frei sein.

Wenn bzw. solange über den Grundsatz von Ursache und Wirkung und die daraus folgende logische Schlussfolgerung zwischen zwei Menschen keine Einigkeit besteht, ist ein weiterer Meinungsaustausch zum Thema Willensfreiheit sinnlos. Ganz schlaue Wissenschaftler und wissenschaftlich argumentierende Menschen meinen den Grundsatz von Ursache und Wirkung aushebeln zu können, indem sie z.B. anführen, dass kleinste Teilchen sich nicht immer gesetzmässig und vorhersehbar verhalten. Auf die Idee, dass sie das zugrunde gelegte Gesetz noch nicht in allen Dimensionen erkannt haben, und deshalb etwas scheinbar Ungesetzmässiges beobachtet haben, kommen sie scheinbar nicht oder verdrängen es. Anstatt dessen leiten sie daraus die für sie logische Schlussfolgerung ab, dass nicht alles dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterliegt. Und weil nach ihrer Logik nicht alles dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterliegt, kann die Unfreiheit des Willens nicht mit dem Grundsatz von Ursache und Wirkung bewiesen werden. - Wer glaubt, dass der Wille frei ist, kommt natürlich nicht auf die Idee, nach Ursachen zu suchen und sie zu erforschen. Ein Teufelskreis. 

Warum wird die Illusion der Willensfreiheit von denen, die daran glauben, so heftig verteidigt?

Wie schon weiter oben beschrieben, will jeder Fehler vermeiden, weil Fehler ungute Gefühle erzeugen, und jeder ungute Gefühle so gut es geht vermeiden will bzw. muss. Hieraus ist zu erkennen, dass es unsere Gefühle sind, die bestimmen, was wir wollen. Je heftiger jemand an der (Fehl-)Erkenntnis der Willensfreiheit festhält oder je mehr er darauf in seinem Leben aufgebaut hat (z.B. Leiter von Einrichtungen, Organisationen, Orden usw., die die Willensfreiheit lehren), umso größer ist das ungute Gefühl, mit dem er konfrontiert wird, sollte er seinen Irrtum erkennen. Solche Menschen versuchen sich nicht selten auf eine überirdische Argumentationsebene zu flüchten, die, weil sie nicht von dieser Welt ist, nicht widerlegt werden kann. 

Dinge, die nicht existieren - wie die Willensfreiheit - lassen sich sehr Lange am Leben erhalten. Sie lassen sich als Ursachen für vieles anführen, dessen wirkliche Ursachen noch nicht bekannt sind. Ähnlich verlief die Sache mit dem Teufel. Auch der konnte lange am Leben erhalten werden, und lebt bei manch Einem immer noch, wenn auch nur geheim. Erst als immer mehr Dinge, für die man den Teufel verantwortlich gemacht hatte, auf andere Weise erklärt werden konnten, fanden immer Menschen den Mut, die Existenz des Teufels insgesamt infrage zu stellen. Das war der Anfang vom Ende des Teufels. Armer Teufel. Vieles wurde ihm in die Schuhe geschoben und er diente, besonders den Kirchenführern, als Mittel zum (bösen) Zweck. So wird es auch der Illusion der Willensfreiheit gehen. Dann wird es eine "neue Erde" sein. Und für jene, die die Willensfreiheit als Illusion erkannt, weil sie die Ursachen entdeckt haben, die zu dem führen, was sie wollen, ist es schon eine neue Erde, eine neue Welt, in der sie leben. Eine Welt mit ganz anderen Möglichkeiten im Umgang mit sich selbst und im Umgang mit anderen. 

Gefühle sind die Ursache für das, was wir wollen. Das kann jeder unschwer bei sich selbst beobachten. Und weil wir unsere Gefühle nicht frei bestimmen können, ist auch unser Wille nicht frei. Dennoch ist das, was wir wollen nicht festgelegt, und wir sind keine Maschinen oder Roboter. "Wir können nicht zweimal in den selben Fluss steigen," heißt eine östliche Weisheit. Nichts kann sich im Leben wiederholen. Auch wenn es nur minimale Veränderungen sind und von uns gar nicht wahrnehmnbar. Wie könnte etwas von Augenblick zu Augenblick unverändert sein, wenn doch alles Schwingung, also Bewegung ist? - Deshalb fühlen wir auch selbst in scheinbar gleichen Sintuationen nicht gleich. Was zur Folge hat, dass wir nicht in jeder scheinbar gleichen Situation dasselbe wollen. Damit greift auch das Argument der Willensfreiheit-Illusionisten nicht, dass, wenn es keine Willensfreiheit gäbe, unser Verhalten vorbestimmt und festgelegt sei. Neue Erkenntnisse und Erfahrungen verändern unsere Gefühlswelt. Eine veränderte Gefühlswelt verändert das, was wir wollen und damit unser Verhalten.

Anstatt sich der einen oder anderen Meinung anzuschließen, ist es sehr viel hilfreicher, durch Selbstbeobachtung und eigene Erfahrung herauszufinden, wie das zustande kommt, was wir wollen.

Ein Beispiel zur Selbstbeobachtung: Wir stehen im Bäckerladen vor dem Verkaufstresen und wollen Brötchen kaufen. Schon, dass wir hier stehen, wurde durch innere Prozesse, die wir nicht bewusst steuern können und die uns zum größten Teil auch gar nicht bewusst werden, verursacht. Warum wir hier stehen, kann die unterschiedlichsten Ursachen (Gefühlsregungen) haben. Wir könnten "freiwillig" den Weg angetreten haben, weil wir es selbst "wollten", oder weil wir eigentlich keine Lust hatten, aber z.B. dem Ehepartner, der gerne frische Brötchen hätte, den Gefallen tun "wollten". Traten wir den Weg "freiwillig" an, dann war es die Vorstellung von den angenehmen Gefühlen, dem Duft oder dem Geschmack, was in uns den Willen entstehen ließ, zum Bäcker zu fahren, oder um das ungenehme Gefühl des Hungers loszuwerden. Traten wir den Weg "unfreiwillig" an, dann taten wir es vielleicht, um noch größere ungute Gefühle zu vermeiden, vielleicht weil der Rest der Familie dann den ganzen Tag „schlecht drauf“ gewesen wäre, und das wiederum uns selbst den Tag vermiesst hätte. Gefühle sind immer die treibende Kraft, die Ursache - sei es, um gute Gefühle zu erleben oder ungute Gefühle zu vermeiden.

Unser Sprachgebrauch mit dem Wort "freiwillig" verführt uns zu dem falschen Rückschluss, dass wir einen freien Willen hätten. Merkwürdiger Weise führt der Sprachgebrauch mit dem Wort "unfreiwillg" bzw. der Wortkombination "nicht freiwillig" nicht zu einem Widerspruch mit der Annahme eines freien Willens. Normalerweise sagen wir, dass wir freiwillig ins Kino und unfreiwillig oder nicht freiwillig zum Zahnarzt gehen. Ins Kino wollen wir freiwillig gehen, weil uns dort gute Gefühle erwarten. Zum Zahnarzt wollen wir nicht freiwillig gehen, wollen es aber dennoch, um ungute Gefühle zu vermeiden oder zu verringern. Wenn wir etwas wollen, trotz den damit verbundenen unguten Gefühlen, tendieren wir zur Benutzung des Wortes "unfreiwillig". "Ich gehe nicht freiwillig zum Zahnarzt. Aber es muss sein. Je länger ich warte, desto unangenehmer wird die Behandlung," so oder so ähnlich sagen oder denken wir.

Die Menschheit steht kurz davor, im Reisebüro Raumschiffstouren zum Mars oder zu anderen Himmelskörpern zu buchen. Auf der Erde gibt es weiterhin Kriege, Hungersnöte, dürstende und verdurstende Menschen und viel anderes Leid. Die Ursache liegt darin, dass die Illusion der Willensfreiheit noch zu sehr Gewicht hat und das Wissen über sich selbst zu wenig. Mit Wissen über sich selbst meine ich nicht das, was in Büchern über den Menschen nachzulesen ist. Mit Wissen über sich selbst meine ich das, was wir über Selbstbeobachtung und Selbsterfahrung erkannt oder bestätigt gefunden haben. Das Wort "Selbsterkenntnis" ist hierfür gebräuchlich. Das Wissen das ich meine, möchte ich Erfahrungswissen nennen.

Die Illusion der Willensfreiheit beruht auf gelerntem Wissen, die Aufhebung dieser Illusion auf Erfahrungswissen.

Weil gelerntes Wissen nicht zu der inneren Gelassenheit führt, wie es das Erfahrungswissen vollbringt, sind die Argumente der Verteidiger der Willensfreiheit nicht selten am Thema vorbei, abschweifend und fantastisch. Wenn eine Unwahrheit als wahr verteidigt werden soll, dann geht es auch nicht anders. Ich schreib das für alle, die sich auf den Weg machen wollen, sich selbst und damit auch ihren Willen, durch Selbsterfahrung kennen lernen zu wollen. Denn wer sich auf diesen Weg begibt, wird den Gegenwind zu spüren bekommen, der ihm von den Verteidigern der Illusion von der Willensfreiheit entgegen weht. Ob wir der Illusion der Willensfreiheit unterliegen oder die Gesetzmäßigkeiten des Willens und Wollens erfahren haben ist egal, in jedem Fall steuern unsere Gefühle unseren Willen. Und egal zu welcher Gruppe jemand gehört, wer glaubt, diese oder jene Erkenntnis sei richtig oder falsch, wird sich je nach Veranlagung für die Verbreitung dieser oder jener Erkenntnis einsetzen. Im Meinungsaustausch zwischen den Vertretern der beiden Gruppen haben jene, die die Illusion der Willensfreiheit aufgelöst haben, einen Vorteil. Sie wissen aus Selbsterfahrung, dass sie selber und ihr Gegenüber sich nach dem verhalten, was ihre Gefühle ihnen vorschreiben oder vorschlagen. Wer das nicht aus seinem Bewusstsein verliert, braucht anderen keinen bösen Willen und andere Schlechtigkeiten unterstellen. Was auch geschieht, immer ist die Wahrheit die, dass im jeweils gegebenen Augenblick die Gefühle dieses Verhalten als das bestmögliche haben erscheinen lassen. Dann kann es nur noch um die Frage gehen: „Wie kann zukünftig eine bessere Verhaltensmöglichkeit erscheinen, als die, die bisher als die beste Verhaltensmöglichkeit erschienen ist?“ Dazu im Buch mehr.

Die Änderung zum Besseren finden wir nicht im Weltall. Viele Menschen haben sich bei der Suche nach dem Glück weit von sich selbst entfernt. Vielen haben sich selbst, wie sie 'funktionieren' noch nicht wirklich erkannt, und sich so die Möglichkeit genommen, die Probleme in und um sich hier auf der Erde zufriedenstellend zu lösen. Bei vielen Lösungen mögen wir ein Gefühl der Zufriedenheit gehabt haben, aber sehr oft gab es in der Folge nicht wirklich Frieden. Häufig war es nur einem Waffenstillstand vergleichbar, im Untergrund brodelte es weiter. Ein kleiner Funke genügte, und der Krieg entflammte erneut, und die Schuld fanden wir immer beim anderen. – Die Auflösung der Illusion von der Willensfreiheit und die Erkenntnis, wir wir wirklich funktionieren, ist der Preis und das Eingangstor zum wahren Frieden mit sich selbst, mit dem Nächsten, zum Weltfrieden. – Das wollen nicht wenige verhindern. All jene, die entweder direkt am Unfrieden, am Krieg und an Gewalt verdienen oder solche, die befürchten, ihre Macht zu verlieren, wenn Menschen merken, wodurch sie über die Gefühlsschiene geführt, verführt und manipuliert wurden, und jetzt, gerade weil sie die Unfreiheit ihres Willens erkannt haben, es in ihre eigenen Hände nehmen, die Ursachen für das, was sie wollen, zu bearbeiten und zu ändern. Wir können unseren Willen oder besser das, was wir wollen, beeinflussen, und dennoch gibt es weder eine Willensfreiheit noch eine freie Wahlmöglichkeit. Immer können wir fragen, warum wir dies oder jenes wollen. Manchmal finden wir die Ursachen, machmal bleiben sie lange im Dunkeln. Aber immer gibt es Ursachen, die regeln, was wir wollen. Auf diese Ursachen können wir einwirken. Dazu müssen wir das wollen. Da wir aber nur wollen können, wozu unsere Gefühle uns leiten, muss der Wunsch zur Änderung ausreichend gefühlsbetont sein und sich gegen andere Verhaltensweisen und den damit verbundenen Gefühlen durchsetzen. – Dazu mehr im Buch.

Noch ein Beispiel. Ich liege seit geraumer Zeit in der Hängematte. Dann tauchen folgende Gedanken in mir auf: „Ich könnte jetzt aus der Hängemappe aufstehen und Rasen mähen. Aber hier zu liegen ist so schön – und macht auch keinen Krach. Wer weiß, wann das Wetter wieder so schön ist. Und der Rasen wächst bei dem Wetter sowieso nicht so schnell. Den Rasen mähen kann ich auch noch morgen.“ Kommen dann stechcnde Mücken ins Spiel und stören das gute Gefühl in der Hängemappe, wird der Rasen wahrscheinlich doch schon heute gemäht. Dass der Rasen bei dem Wetter nicht so schnell wächst, hat nicht mehr dieselbe Bedeutung wie vorher, ebenso wenig wie der Krach des Rasenmähers. Das unangenehme Gefühl, das die Mücken verursacht haben, hätte dann die Regie über meinen Willen genommen. (ich hoffe, ich habe jetzt aus der Mücke keinen Elefanten gemacht. Aber manchmal scheint sie doch eine enorme Kraft zuhaben und unseren Willen zu bestimmen. Man denke nur daran, dass sie uns aus dem Bett treiben kann, obwohl wir eigentlich lieber schlafen wollen.)

Der Weg zum Frieden im Kleinen und im Großen ist möglich!

"Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt."

Das Buch "Versuchs nochmal - mit Bruder Jesus lebenswert leben lernen" kann Orientierungshilfe, Wegbegleiter und Kompass auf dem Weg sein. Für Verteidiger und Vertreter der Kirchen wird dieses Buch allerdings eine "harte Kost" sein und sie mit unguten Gefühlen konfrontieren, aber auch mit der Möglichkeit zur "Bekehrung" - Bekehrung aber in einem ganz anderen Sinn. Jesus begegnet uns in dem Buch nicht als Gott oder Gottes Sohn, sondern als Bruder, als einer von uns.

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